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Beeindruckendes Konzert mit Gänsehaut-Effekt

Beeindruckendes Konzert mit Gänsehaut-Effekt
Beeindruckendes Konzert mit Gänsehaut-Effekt
Bild: Andreas E. Müller

Die Texte des Barockkomponisten über die „allerheiligsten Gliedmaßen Jesu“ sind düster. In der Interpretation der jungen Musikstudenten aus Frankfurt kamen sie jedoch äußerst beschwingt im Dom daher. 

Der Lübecker Organist und Barockkomponist Dietrich Buxtehude wird gerne unterbewertet. Viel zu selten sind seine Werke zu hören. Dies haben die Studierenden der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gezeigt. Im Limburger Dom gaben Gesangsklassen sowie Musiker der Abteilung für Historische Interpretationspraxis ein bewegendes Konzert.

Zu Gehör brachten Sie den Zyklus „Membra Jesu nostri“, übersetzt „Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesu“, aus sieben Passions-Kantaten Buxtehudes.

Domchordirektorin Judith Kunz zeigte sich in ihrer Begrüßung erfreut darüber, den Auftakt zu der musikalischen Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und der Kirchen- und Dommusik in Limburg bekanntgeben zu dürfen. Diese sei eine Bereicherung für die Musik im Dom und biete zugleich jungen Musikern Gelegenheiten, sich einem Publikum zu präsentieren

Sieben Körperteile

Dietrich Buxtehude (1637-1707) kombiniert in seinem Zyklus Bibelverse mit Versen einer mittelalterlichen Andachtsdichtung. Die Dichtung ist in sieben Teile gegliedert, die von den Füßen über Knie, Hände, Seite, Brust, Herz bis zum Gesicht Jesu wandert. Dabei ist der Aufbau der sieben Kantaten fast gleich: Alle Teile beginnen mit einer instrumentalen „Sinfonia“ als Einleitung. Darauf folgt zumeist ein Chorstück, bei den Teilen „Ad pectus“ (an die Brust) und „Ad cor“ (an das Herz) allerdings in kleiner Terzett-Besetzung. Dabei nimmt der Text Bezug auf das jeweilige Körperteil. Solistischen Passagen folgt am Ende eine Wiederholung der „Sinfonia“. Buxtehude instrumentierte große Teile mit zwei Violinen, einer Violone und Orgel oder Cembalo im Wechsel. Tonangebend war im Konzert stets die ausdrucksstark und innig spielende erste Geigerin Daria Spiridonova, die schon beim Barockfest der Weilburger Schlosskonzerte mit Purcells Barockoper „The Fairy Queen“ begeisterte. Lediglich bei „Ad cor“ sah Buxtehude zusätzlich je eine Diskant-, Alt- und Bassgambe vor, was den Charakter der Musik natürlich.

 

Bild: Andreas E. Müller

Der kleine Chor ist besetzt mit je zwei ersten und zweiten Sopranen, Alt, Tenor und Bass. Auch hier gab es mit Annemarie Pfahler (Sopran 1), Stefanie Woelke (Sopran 2) und Hanqi Jiao (Tenor) ein erfreuliches Wiederhören mit Solisten der Weilburger Aufführung.

Selten gehörtes Werk begeistert Limburger Publikum

Die jungen Musiker unter der Leitung von Prof. Thilo Dahlmann musizierten und sangen ausdrucksstark und begeisterten auf ganzer Linie. Egal ob als zehnstimmiger Chor, solistisch oder in kleinen Besetzungen sorgten sie mit ihren jungen, frischen Stimmen für angenehme Gänsehaut. Obowohl die Texte meist wenig erfreulich sind, war es ein genussvoller Vortrag. Eine musikalische Besonderheit gab es in der Kantate „Ad faciem“ (an das Gesicht), als eine Altstimme lediglich vom Cembalo begleitet wurde. Erfrischend, beschwingt, geradezu zuversichtlich intonierte der Chor seinen letzten Part in dieser Kantate, bevor er das Werk mit einer jubilierenden Amen-Fuge beendete. Die Musiker verabschiedeten sich nach begeistertem Applaus mit einem englischen Abendlied.

Autor: Andreas E. Müller für Nassauische Neue Presse

 

Bild: Andreas E. Müller