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Besonderes Klangerlebnis mit Mädchenkantorei und Frauenchor

Chöre begeistern mit zeitgenössischer Vokalmusik
Besonderes Klangerlebnis mit Mädchenkantorei und Frauenchor
Besonderes Klangerlebnis mit Mädchenkantorei und Frauenchor

In klangvoller Einheit präsentierten sich der Frauenkammerchor Carpe Diem und die Mädchenkantorei beim Abschiedskonzert von Dirigent Jürgen Faßbender. Er hatte gemeinsam mit Domchordirektorin Judith Kunz ein Programm mit ausschließlich zeitgenössischen Werken zusammengestellt.

Beeindruckende Stimmen

Es dürften wohl die beiden leistungsstärksten Gruppierungen von Frauenstimmen in der Region gewesen sein, die im Dom ein höchst außergewöhnliches Klangerlebnis boten. Der von Jürgen Faßbender gegründete und mit vielen internationalen Preisen dekorierte Kammerchor Carpe Diem und die Mädchenkantorei am Dom zu Limburg, die unter der Leitung von Domchordirektorin Judith Kunz eine beeindruckende Entwicklung genommen hat, gestalteten ein Konzert mit ausschließlich zeitgenössischer Chormusik. Faßbender verabschiedete sich damit nach 27 Jahren als Chorleiter von Carpe Diem. Instrumental unterstützt wurden die Sängerinnen von der Cellistin Liudmila Firagina und den Perkussionisten Michael Born und Felix Uttenreuther.

Meditativer Charakter

„Vom Gestimmtsein des Herzens“, so war der Abend überschrieben in Anlehnung an das zentrale gleichnamige Werk von Enjott Schneider zu Texten der Hildegard von Bingen. Inhaltlich geht es um mentale Kraft und Weisheit, Seele, die für das Wohlergehen des Menschen unerlässlich ist. Das fünfsätzige Werk besang diese Thematik in oft ruhig schwebenden Klängen, die manchmal clusterartig wabernd den Kirchenraum füllten. Die abwechselnd deutschen und lateinischen Texte wurden vom Cello und verschiedenen Percussionsinstrumenten mit sphärischer Musik begleitet, die den meditativen Charakter noch unterstrich – eine Komposition, auf die man sich sowohl als Mitwirkender als auch besonders als Hörer unvoreingenommen einlassen muss, um sie intuitiv verstehen zu können.

Um dieses außergewöhnliche Werk hatten Judith Kunz und Jürgen Faßbender ein Programm zusammengestellt, das die Hörer eigentlich nie aus dieser Atmosphäre der Meditation entließ. Zu Beginn erklang „In the beginning“ von Imant Raminsh. In sich überlagernden dissonanten, mal konsonanten Klängen wird hier die Erschaffung des Lichts aus der Schöpfungsgeschichte beschrieben, begleitet von Vibrafon, Marimbaphon und Cello.

Glockenklar und warm

Beeindruckend mischten sich die reifen Stimmen der Carpe Diem Damen mit den jugendlichen der Mädchenkantorei. So ergab sich ein Frauenchorklang mit glockenklaren, aber nie harten Sopranen und warmem, vollem Fundament in den Altstimmen, der in der Domakustik förmlich aufblühte. Nach „Peace upon you, Jerusalem“ von Arvo Pärt erhoben sich die Stimmen zu lebhaftem, sich aufbauenden Jubel bei „Alleluja“ von Sally K. Albrecht. Bei „Virita criosa“ von Thomas Jennefelt hat der Text keine sinnvolle Bedeutung, aber die Zusammenwirkung von Lauten und Silben mit  Tönen und Rhythmen hat einen ganz eigenen Reiz. Mit dem fein intonierten „Tundra“ von Ola Gjeilo endete die Abendmusik. Dirigiert wruden die Werke abwechselnd von Kunz und Faßbender. Man hört selten ein Konzert im Dom, bei dem die Musik in Klang und Stilistik so perfekt in den Raum passt. Auch die Instrumentalwerke fügten sich harmonisch ins Geschehen. Michael Born und Felix Uttenreuther spielten „Losa“ von Emmanuel Séjourné, eine Komposition mit Anleihen an Latinjazz. Von Liudmila Firagina hörte man den langsamen Satz aus der Solosonate für Cello von Paul Hindemith. Dieser erklang nach „Gestimmtsein des Herzens“, so dass das Cello die Seele widerzuspiegeln schien.

Begeistertes Publikum

Es mag ein Wagnis sein, ein ganzes Konzertprogramm mit solch zeitgenössischer Musik anzubieten. In diesem Fall ist das Wagnis gelungen, wie auch der begeisterte Beifall der zahlreichen Besucher bewies.

Anneke Jung, NNP, 26.02.2019